Tausend Jahre alte Zeitzeugen (28.10.2017)

Archäologische Fundstücke

Foto: Eröffnung des archäologischen Ausstellungsraumes im Bürgerhaus Salching mit (von rechts) Bürgermeister Alfons Neumeier, Kreisarchäologe Dr. Ludwig Husty und Baudirektorin Cornelia Reiff.

Salching. (jb) Zeitzeugen der ältesten Salchinger Ortsgeschichte sind ab sofort in einem archäologischen Ausstellungsraum im Bürgerhaus Salching zu besichtigen. Zur Eröffnung am Donnerstagabend, waren neben dem gesamten Gemeinderat, Baudirektorin Cornelia Reiff vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) und Kreisarchäologe Dr.Ludwig Husty mit seinem Mitarbeiter Dieter Lokosch gekommen. Wie Bürgermeister Alfons Neumeier eingangs erläuterte, beschloss der Gemeinderat im März 2015 die Einrichtung eines Ausstellungsraumes im Bürgerhaus. Die bei den archäologischen Untersuchungen seit 2006 in Salching entdeckten Fundstücke sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zumal auch bei den jüngsten Ausgrabungen im Baugebiet „Am Pfingstberg III“ und „Niederpiebinger Graben“ weitere interessante Funde gemacht wurden. „Bei jeder Dorferneuerung machen wir uns Gedanken darüber, wo wir herkommen und wo unsere Wurzeln sind. Deshalb haben wir uns gerne bei der Finanzierung des Personalaufzuges im Bürgerhaus und des Ausstellungsraumes, beteiligt“, sagte  Cornelia Reiff in ihrem Grußwort.

„Es gibt wenige Plätze im Landkreis Straubing-Bogen wo solange Menschen nachgewiesen werden können, wie in Salching“, erläuterte anschließend Dr.Husty. Bereits Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden, aufmerksam gemacht durch Lesefunde, am Salchinger Pfingstberg erste Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse mehr als spektakulär waren. Konnte doch dadurch die Anwesenheit der ersten im Landkreis umherstreifenden Jäger und Sammler aus der Zeit vor über 25000 Jahren nachgewiesen werden. Auf dem Salchinger Pfingstberg dürfte ein kleinerer Trupp von Jägern ein Jagdlager aufgeschlagen haben, um das vorbeistreifende Jagdwild, darunter Mammut, Wollnashorn oder Rentierherden, zu jagen. Bei den Untersuchungen 2006/2007 wurden Überreste einer großen Siedlung der Urnenfelderzeit um 1200 bis 1000 v.Chr. entdeckt. 2013 bis 2014 wurde der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen. Bei den umfassenden Ausgrabungen zeigte es sich, dass die ersten Siedler, die sich viele Tausend Jahre nach den Jägern am Pfingsberg niederließen, Menschen der sogenannten Münchshöfener Kultur waren. Etwa um 1800 v.Chr. war der Pfingstberg wieder besiedelt. Aus den bronzezeitlichen Funden ragen drei reich ausgestattete Gräber heraus, die anzeigen, dass hier ein Mann und zwei Frauen einer wohlhabenden Bevölkerungsgruppe bestattet wurden. Die Ausgrabungen 2016/2017 erbrachten nicht erwartete umfangreiche archäologische Befunde aus der Zeit des früheren Mittelalters. Zahlreiche Siedlungsgruben, Hausgrundrisse sowie Gräber von Männern,  Frauen und Kindern zeugen von einer regen Besiedlung des Pfingstberges. Es sei mehr als erfreulich, dass es die Gemeinde Salching, allen voran Bürgermeister Alfons Neumeier, möglich gemacht habe, im Bürgerhaus zumindest einen Teil der am Pfingstberg entdeckten Funde der älteren Geschichte Salchings auszustellen und so den Bürgern Gelegenheit zu geben, sich darüber zu informieren. In dem Zusammenhang würdige die Kreisarchäologie das Engagement  der Gemeinde Salching ebenso wie die Unterstützung des Bayerischen  Landesamtes für Denkmalpflege und des ALE. Die Einrichtung eines Ausstellungsraumes eigens für archäologische Funde sei im Landkreis Straubing-Bogen einmalig, stellte Dr.Husty fest. Er hoffe, dass die Bevölkerung das Angebot, sich über die älteste Geschichte Salchings zu informieren, wahrnimmt; zu sehen übrigens das Skelett der ältesten Salchingerin mit circa 3800 Jahren“,  schloss Dr.Husty.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Bürgerhaus-Geschäftsstelle für die Öffentlichkeit zugänglich.

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