Auch Brennesselpralinen (11.09.2018)

Auch Brennesselpralinen (11.09.2018)

Foto: Referent Julian Maier (rechts) hatte viele Fragen zu beantworten

Auf die Spuren der Hildegard von Bingen begaben sich am Samstagnachmittag 33 Naturfreunde (15 aus Oberschneiding), bei einer Kräuterwanderung des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Salching, auf der Streuobstwiese der Gemeinde Salching, in der Aitrachaue bei Kienoden. Die OGV-Vorsitzende Angelika Denk war erfreut darüber, dass Julian Maier, Kräuterpädagoge aus Oberschneiding, die Führung übernommen hat.

Im Anschluss an diese, trafen sich alle Teilnehmer im Bürgerhaus Salching, wo sich Maier mit der Zubereitung einiger Wildblumen-Rezepte befasste, wie Herbstkräuterbutter, Spitzwegerich- Labkrautsalat und sogar Brennesselpralinen. Die Kräuter von der Streuobstwiese können ohne Bedenken genommen werden, weil hier keine Pestizide und Ahnliches eingesetzt werden, so Maier. Weil allgemeine Unwissenheit darüber herrscht, welche Kräuter essbar und heilbar sind, hatte Maier viele Fragen zu beantworten und einiges aufzuklären. Über die Brennessel beispielsweise, wusste er, dass sie nicht gerade ein beliebter Gast in unseren Gärten sei. Seiner Meinung nach völlig zu Unrecht, denn sie werde von Kennern vielseitig eingesetzt; sie sei ein wahrer Tausendsassa. Als Textil-Faser für die Fasergewinnung, als Färbepflanze, zum Färben von Stoffen, als Dünge- und Konservierungsmittel.

Während des ersten Weltkrieges bediente sich die Textil-Industrie der Brennessel. 1917 wurde in München eine „Bayerische Nesselstelle“ eingerichtet, die die Bürger zum freiwilligen Sammeln von Brennesseln aufrief. Als Heilpflanze sei die Brennessel ebenso bekannt wie die Kamille. In der Volksmedizin werde die Brennessel zur Entgiftung und Entschlackung bei der Frühjahrskur, sowie bei Müdigkeit und Erschöpfungszuständen empfohlen; Letzteres bei Eisenmangel, die zu Blutarmut (Anämie) führen kann. Als Pflanze, die Leber und Galle positiv beeinflussen kann, sei sie gut für die Verdauung. Als besonders heilkräftig gilt der „Lazaruswein“ nach Hildegard von Bingen. Der Wein soll die Glieder kräftigen, die Konzentration und Leistungsfähigkeit steigern und sogar das Lebensalter erhöhen.

Als wahre Medizin bezeichnete Maier den Gundermann oder auch Gundelrebe genannt. Schon die Germanen hätten ihn bei eitrigen Wunden eingesetzt er regt die Blutstillung und die Abtrocknung der Wunde an. Auch bei Blasen- und Nierenschwäche, bei Atemwegserkrankung mit starker Schleimbildung helfe der Gundermann. Auch über den Löwenzahn, den Bärlauch, die Ackerwitwenblume, die Wiesenflockenblume, die Moschus-Malve, die Schafgarbe und den Hornklee wusste Maier Bescheid und gab sein Wissen an die Zuhörer weiter. Zum Schluss bedankte sich Angelika Denk beim Referenten für das intensive Kräutererlebnis.

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