KULTURmobil gastierte in Aiterhofen (27.06.2016)

Kulturmobil: "Nur ein Tag"

Foto: Nur ein Tag

 

 

KULTURmobil gastierte in Aiterhofen

 

Aiterhofen: (st) So ein schöner Sommerabend! Seit 1998 tourt das KULTURmobil, das fahrende Theater des Bezirks mit seiner professionellen Theatertruppe über Dorf- und Marktplätze in Niederbayern. Am Freitag hielt der LKW mit Kastenaufbau und ausklappbarer Bühne in Aiterhofen vor der Mehrzweckhalle, um als Erfolgsprojekt regionaler Kulturarbeit zwei Stücke aufzuführen. Am Nachmittag das Kinderstück „Nur ein Tag“ und am Abend dann „Der Räuber Kneißl“.

 

Was würdest du tun, wenn du nur einen Tag zu leben hättest? Der Fuchs und das Wildschwein sind dicke Freunde. Enes Morgens beobachten sie, wie eine kleine Eintagsfliege schlüpft. „Was, wenn wir die lieb gewinnen?“ stellt sich für die beiden als Frage. Denn am Abend müssten sie ja schon wieder Abschied nehmen. Die Fliege jedoch, ein bisschen frech, verzaubert die beiden. Wie sollen ihr der Fuchs und das Wildschwein erklären, dass sie nur einen Tag zu leben hat, wo sie doch der Meinung ist, eine Maifliege zu sein. Schnell merkt die Fliege, dass ihre Freunde etwas bedrückt. Die beiden erzählen ihr, dass es der Fuchs ist, der nur noch einen Tag leben wird. Für die Fliege ist da ganz klar: „Wer nur einen Tag zu leben hat, braucht das ganze Glück in 24 Stunden!“ Und so begeben sich die drei Freunde auf eine abenteuerliche Suche nach dem Glück und nehmen dabei die Zuschauer mit auf diese einstündige Suche.

 

Danach, um 20 Uhr, immer noch ein lauer Sommerabend wie man ihn sich wünscht, an einem Platz, der nicht passender sein könnte, das historische Drama von Christian Schönfelder „Der Räuber Kneißl“. Aus der wahren Geschichte entwickelte der Autor eine zeitlose Parabel über die Sehnsucht, gut zu sein. Regisseur Louis Villinger beleuchtete in seiner Inszenierung das Spannungsfeld zwischen der öffentlichen Heldenfigur und der Privatperson Mathias Kneißl und zeigt, wie gesellschaftliche Chancenlosigkeit Menschen in die Kriminalität treibt – und das hat in der heutigen Zeit nichts an Aktualität eingebüßt.

 

Sein Leben lang hat Mathias Kneißl beides gewollt: frei sein und dazugehören. Beides ist ihm nicht gelungen. Schon als Kind eckt er an und wird ausgegrenzt, weil sein Großvater ein „Zuagroasta“ ist und über die Eltern wilde Gerüchte im Umlauf sind. Als Jugendlicher landet er unschuldig im Gefängnis. Nach seiner Entlassung ist er als „Zuchthäusler“ gebrandmarkt und findet keine Arbeit. Und das obwohl er davon träumt, sich einzugliedern und ein unauffälliges Leben zu führen. So wird er zum Räuber Kneißl. Auf seiner Flucht vor der ungeliebten Obrigkeit hält er diese ein ums andere Mal zum Narren und wird so für viele zum Helden.

 

Tolle Schauspieler - Kolja Heiß, Viola Müller, Jochen Paletschek, Robert Spitz, Sabine Zeininger, die ihre Bühne vom Dach des LKW bis unter die Zuschauer ausdehnten und am Akkordeon Fredy Granzer, begeisterten die Zuschauer, die jedoch etwas zahlreicher hätten sein können. Ja, wer da war war begeistert und wer nicht da war, hat etwas großartiges versäumt. Auf jeden Fall machten beide Aufführungen Lust, das Kulturmobil wieder zu genießen. Es gastiert ja jedes Jahr im Bereich der ILE Gäuboden und das muss sich noch besser in den Köpfen festsetzen. Wer aber die Aufführungen doch noch – oder noch einmal – erleben möchte, hat dazu in dieser Tourneesaison bis 4. September noch 27 Mal die Möglichkeit. So z.B. am 6. August in Steinach oder am 26. August in Geiselhöring. Der Torneeplan ist im Internet unter www.kulturmobil.de abrufbar. Ein Besuch ist auf jeden Fall zu empfehlen!

 

Foto 2: Der Räuber Kneißl

Bild: Der Räuber Kneißl