Mut der Gründer zahlte sich aus

Mut der Gründer zahlte sich aus

Der Vorsitzende Robert Englberger jun. (vorne Mitte) mit (von links) Reinhard Bayerl sen., Johann Kastl, Richard Alzinger (Ropa), stellvertretendem Vorsitzenden Reinhard Bayerl jun., Benjamin Kirchberger (Südzucker) und Einsatzleiter Josef Plendl.

Oberpiebing.(jb) Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Rodegemeinschaft Kirchmatting, zelebrierte Pfarrer Dr.Raphael Mabaka, am Samstagabend in der Pfarrkirche Oberpiebing für die verstorbenen Mitglieder einen Gottesdienst. Es sang der Kirchenchor unter der Leitung von Wolfgang Krinner, an der Orgel begleitet von Gerhard Schormann. Zur Geburtstagsfeier trafen sich anschließend die Mitglieder der Rodegemeinschaft  mit Partner im Bürger- und Kulturtreffpunkt in Oberpiebing. Bei der Eröffnung zitierte der Vorsitzende Robert Englberger jun. den griechischen Philosophen Demokrit mit dem Ausspruch: „Ein Leben ohne Feste ist wie eine lange Wanderung ohne Einkehr.“ Dass die Rodegemeinschaft wahrlich einen Grund zum Feiern hatte, zeigte sich in der Rückschau auf 40 Jahre Rodebetrieb. Im September 1979 wurde von den drei Landwirten und Eishockeyfans Reinhard Bayerl sen. Johann Kastl und Josef Schwarzmüller, als sie nach einem Spiel wieder einmal zusammensaßen, die Idee einer Rodegemeinschaft geboren und es begann die erfolgreiche Geschichte der überbetrieblichen Zuckerrübenernte. Es war eine Zeit, in der die gezogene ein- und zweireihige Erntetechnik dominierte und die Investition in einen Selbstfahrer mit einigen Risiken verbunden war.  Doch der Mut der Landwirte der ersten Stunde zahlte sich aus. Die guten Rodeergebnisse zu wirtschaftlichen Kosten und der Zusammenhalt der Gesellschafter waren dabei die wichtigsten Eckpfeiler. Die Wirtschaftlichkeit des Rübenanbaus befinde sich in stetigen Wandel. Die aktuelle Situation des Zuckermarktes lasse  so manchem Landwirt den Zuckerrübenanbau überdenken. Umso wichtiger in dieser Lage sei die Optimierung aller Stellschrauben des Betriebes. Die Rodegemeinschaft Kirchmatting konnte hierbei in der Vergangenheit stets überzeugen und werde dies auch in der Zukunft tun, ist sich Englberger gewiss. Nach dem Abendessen trat Benjamin Kirchberger  von der Südzucker AG Plattling als erster Grußwortredner an das Mikrofon. Dabei betonte er, dass mit dem Bau von Fabriken, nach dem zweiten Weltkrieg,  auch die Beteiligung der Landwirte am Unternehmen Südzucker begann.   Dieser Aufschwung ging mit der Zuckermarktordnung 1968 in eine Blütephase über. In dieser Zeit wurden in der Region die ersten Rodegemeinschaften gegründet, zu der auch Kirchmatting gehöre. Diese Entwicklung führte zur Gestaltung des heutigen Konzerns, des größten Zuckererzeugers in Europa, der auf den vier Säulen Zucker, Spezialitäten, Frucht und Ethanol steht. „Wir hier in Bayern erzeugen Rüben und Zucker mit höchsten Erträgen je Hektar. Ihre Rodegemeinschaft ist stark, ein Produkt der Teamarbeit, wie in einer Fußballmannschaft. Nur gemeinsam kann man erfolgreich sein und Ziele erreichen. Die Welt der Gesellschaft wird sich weiterentwickeln und wir werden uns mit unseren Systemen vom Acker bis zum Verbraucher anpassen“, machte Kirchberger deutlich. Auch Richard Alzinger, vom technischen Vertrieb der Fahrzeug- und Maschinenbau GmbH Ropa blickte anschließend eine große Zeitspanne  in der Entwicklung der Firma Ropa zurück,  die 1986 von Hermann Paintner gegründet wurde. 1998 war das Entwicklungsjahr des Europa- Tigers, des weltweit größten Bunkerköpfrübenroders. Alzinger bescheinigte der Rodegemeinschaft Kirchmatting in punkto Technik auf dem neuesten Stand zu sein. „Gute Leute, haben gute Maschinen“, sagte er. Alzinger ermunterte die Landwirte, trotz der zurückgehenden  Produktion, aufgrund des Wetters, die Rübenproduktion beizubehalten. „Wenn Ihr keine Rüben mehr anbauen könnt, gibt es überhaupt keine Rüben mehr“, sagte der Fachmann.

Zur Geschichte der Rodegemeinschaft Kichmatting sprachen dann der ehemalige Vorsitzende Johann Kastl, der ehemalige stellvertretende Vorsitzende Reinhard Bayerl sen. und der Einsatzleiter Josef Plendl. Daraus ging hervor, dass am 28.November 1979 die Gründungsversammlung der Rodegemeinschaft  stattfand die folgendes Ergebnis brachte: Vorsitzender Robert Englberger sen. Stellvertreter Reinhard Bayerl sen. Kassier und Schriftführer Josef Schwarzmüller, Einatzleiter Josef Weinzierl, Machinenbetreuer Karl Moll, Fahrer Johann Bachner, Edmund Dendorfer und Johann Kastl. Die 17 Gründungsmitglieder verfügten über eine gezeichnete Rübenfläche von 208 Hektar. Bei dieser Versammlung wurde auch der Kaufvertrag mit Alfons Holmer über einen selbstfahrenden Rübenroder zum Preis von 380000 Deutsche Mark unterzeichnet. Bei den Vorstandswahlen 1983 blieb Robert Englberger Vorsitzender, sein Stellvertreter wurde Wilhelm Schwarz, Josef Weinzierl übernahm neben dem Einsatzleiter auch noch den Posten des Kassiers und des Schriftführers. 1986 wurde der Kauf eines neuen Vollernters beschlossen. Bei den Neuwahlen 1989 blieb Robert Englberger Vorsitzender, neuer Stellvertreter wurde Johann Kastl, Josef Weinzierl behielt seine Ämter. 1994 stellte Robert Englberger nach 15 Jahren sein Amt als Vorsitzender zur Verfügung. Sein Nachfolger wurde Johann Kastl, Martin Obermeier wurde Stellvertreter. Josef Weinzierl behielt seine Ämter. Im November 1996 wurde eine neue Holmer-Maschine Terra Dos T2 gekauft. Auch wurde der Rodeverein von 1979 aufgelöst und in eine Rodegemeinschaft übergeführt, die 32 Mitglieder mit einer gezeichneten Anbaufläche von 393 Hektar hatte. Bei der Gesellschaftsversammlung im Dezember 2000 beendet Josef Weinzierl, nach 21 Jahren, seine Tätigkeit als Einsatzleiter, Schriftführer und Kassier. Ihm folgte Josef Plendl nach. Ein gesellschaftlicher Höhepunkt war 2005 die Feier des 25-jährigen Gründungsfestes. Im Dezember 2009 beschloss die Rodegemeinschaft den Kauf eines dreiachsigen Roders Ropa Euro-Tiger zum Kaufpreis von 407000 Euro. Zugleich wurde der Gesellschaftsvertrag in Rodegemeinschaft Kirchmatting GbR abgeändert. Bei den Neuwahlen 2010 kandidierte Johann Kastl nicht mehr als Vorsitzender, neuer Vorsitzender wurde Robert Englberger jun. , Martin Obermeier wurde Stellvertreter, Josef Plendl behielt seine Ämter. Bei den Neuwahlen im Februar 2019 trat Martin Obermeier nach 25 Jahren nicht mehr als stellvertretender Vorsitzender an. Die folgende Vorstandschaft ist bis heute im Amt: Vorsitzender Robert Englberger jun, Stellvertreter Reinhard Bayerl jun. Einsatzleiter, Kassier und Schriftführer Josef Plendl. Die Rodegemeinschaft besteht aktuell aus 29 Mitgliedern mit einer gezeichneten Rodefläche von 326 Hektar. Fahrer sind Johann Bachner, Reinhard Bayerl, Johannes Kastl, Martin Meilinger, Josef Plendl, Johann Schmid, Mario Sturm und Karl Wolf, die Werkstatt wird betreut von Thomas Obermeier und Markus Welter. Anlässlich des Jubiläums hat die Rodegemeinschaft eine Festschrift herausgegeben, in der ihre Geschichte in Bild und Text aufgezeigt wird. Unvergessen sind darin auch die sieben verstorbenen Gesellschafter der Gemeinschaft Josef Obermeier, Josef Schwarzmüller, Josef Eiglsperger, Karl Moll, Siegfried Gerstl, Klaus Müller und Robert Englberger sen.