„Stütze der Wirtschaft in Gefahr“

Offener Meinungsaustausch beim Besuch der Firma AMZ – Kritische Stimmen

„Stütze der Wirtschaft in Gefahr“

Andreas Martin, Kaufmännisch-Technischer Geschäftsführer der Firma AMZ (Mitte), erklärt im Beisein des Technischen Geschäftsführers Stefan Prommersberger (rechts daneben) Salchings Bürgermeister Alfons Neumeier, Wirtschaftsreferent Martin Köck und Landrat Josef Laumer (von links) eines der Produkte

Es war ein Meinungsaustausch ganz nach dem Geschmack von Landrat Josef Laumer: „Wir gehen nicht zu den Firmen, um uns ein Schulterklopfen abzuholen. Wir wollen deren Meinung hören und auch wissen, was sie bedrückt.“ Und so gab es beim Besuch der Firma AMZ in Salching zwar viel Positives – aber auch kritische Stimmen, was die Gesamtsituation für den Mittelstand in Deutschland betrifft.

Die AMZ Gesellschaft wurde 1986 in Straubing gegründet und produziert seit 1996 am Standort Salching. „Wir stehen für Leistung, Präzision und Qualität im Bereich Apparate-, Maschinenbau und Zerspanungstechnik“, sagt der Kaufmännisch-Technische Geschäftsführer Andreas Martin. So ist die Firma heute ein weltweiter Marktführer im Zulieferbereich von Propellern. Wenn Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron oder Bundeskanzlerin Angela Merkel zukünftig im Hubschrauber zu einem Termin düsen, so ist es wahrscheinlich, dass dies nur durch die unterstützenden Technik aus dem Kreis Straubing-Bogen möglich ist.


„Mittelstand wird gegen die Wand gefahren“

„Wir schätzen und kennen diese Leistungsfähigkeit unseres heimischen Mittelstandes. Das sind die Stützen unserer Wirtschaft“, betonte Landrat Josef Laumer beim Firmenrundgang. „Zusammenarbeit, Handschlag und Know-how zeichnen den Mittelstand aus. Wir bekämpfen uns in Deutschland im Mittelstand nicht gegenseitig, sondern sehen unsere Konkurrenten auf dem Weltmarkt“, machte Andreas Martin klar, mahnte zugleich aber auch: „Aber der Mittelstand in Deutschland wird zunehmend gegen die Wand gefahren.“Für Unverständnis sorgte auch die Äußerung eines Gymnasiallehrers, mit der ein Auszubildender der Firma konfrontiert wurde. „Nach dem Abitur hat der von seinem Lehrer gehört, warum er diesen Beruf ergreift und nicht studiert“, schüttelte Martin den Kopf. „Heute geht er in die Meisterschule, erhält sein Gehalt weiter und verdient durchgehend seit dem Ende seiner Schulzeit.“ Ein Umdenken in diesen Bereichen forderte auch Salchings Bürgermeister Alfons Neumeier.

Im Roboterbereich auf Japan angewiesen


Und welche hochtechnologisierten und qualifizierten Arbeitsplätze ein Unternehmen wie AMZ bietet, wurde beim Rundgang schnell deutlich. „Das ist Highend“, war auch Landrat Josef Laumer beeindruckt. „Dass wir aber im Roboterbereich auf Firmen aus Japan zurückgreifen müssen, weil diese Deutschland den Rang abgelaufen haben, sollte allen zu denken geben“, so Andreas Martin, der sich auch gegen ein unkontrolliertes Wachstum aussprach. „Wir wollen fundiert bleiben und Know-how leisten, das ist uns wichtig und unser Erfolgsrezept.“Um aufgeworfene Themen abzuarbeiten und Förderungen im Digitalbereich genauer abzuklopfen, wies Landrat Josef Laumer den Wirtschaftsförderer des Landkreises, Martin Köck, gleich zu einem Folgetermin in Salching an. „Denn wir wollen das, was wir vor Ort mit auf den Weg bekommen, auch so schnell wie möglich im Rahmen unserer Möglichkeiten abarbeiten“, sagt Josef Laumer. „Das sind wir nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Gemeinden und den Menschen im Landkreis schuldig, denn nur so können wir die wirtschaftliche Aufsteigerregion bleiben, zu der wir uns in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt haben.“

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